Wissenslandkarten

Wissenlandkarten

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Wissenslandkarte aller Dokumente/Screenshots, Annette Hexelschneider gefunden April 2018

Gruppengröße: am besten kleine Gruppen mit 6 bis 10 Beteiligten
Dauer: 20 bis 30 Minuten zur Einführung mittels Brainstorming-Kartenabfrage-Technik und -Methodik

Wissenslandkarten sind eine grafische Form der Darstellung von nachhaltigem, schwer greifbarem Wissen in Organisationen, das damit explizit gemacht und zu bestehendem Wissen in Beziehung gesetzt werden soll. Im Allgemeinen repräsentiert eine Karte einen Ausschnitt der realen oder virtuellen Welt in einer vereinfachten grafischen Darstellung, die zweidimensional (Bildschirm oder Papier) ausgegeben wird. Im Konkreten repräsentieren Wissenslandkarten grafische Verzeichnisse von Wissensträgern, Wissensbestanden, Wissensquellen, Wissensentwicklungen, Wissensstrukturen oder Wissensanwendungen. Sie werden vor allem zur Identifikation von Wissen in Organisationen eingesetzt und um Arbeitsablaufe effektiver und effizienter zu gestalten. Sie verweisen auf Expertenwissen, Teamwissen, Wissensentwicklungsstationen sowie organisationale Fähigkeiten und Abläufe und setzen diese zueinander in Beziehung. Wissenslandkarten sind somit Metainformationsträger, da sie auf das verankerte Wissen referenzieren und nicht den Wissensinhalt selbst dort abbilden.

Schlagwörter: Wissensdarstellung, Wissensgenerierung, Visualisierung, Struktur 

Ziel

Um Wissenslandkarten erfolgreich realisieren zu können, sollten vor der Erstellung die organisationsstrategischen Wissensziele bestimmt und bei der Erstellung der Wissenslandkarte im Auge behalten werden. Hier werden diejenigen Kernprozesse und Entwicklungen in einer Organisation definiert, die in hohem Maß von Wissen abhängig sind.

Vorbereitung zur Einführung

Voraussetzungen/Hilfsmittel:
Pinnwand, Nadeln, Fotoapparat, Packpapier, Moderationskoffer, Post its

Ablauf einer Kartenabfrage: 


Frage stellen und auf Packpapier notieren (bzw. vorbereitete Tafel einsetzen).
Kartenabfrage: auf Karten schreiben lassen, was dazu einfällt. Einsammeln und aufhängen: unsortiert aufhängen, dabei Karteninhalt vorlesen.
Clustern-Gruppieren der Karten, dabei Interaktion mit allen teilnehmenden Personen,
Überschriften zu den Clustern finden, Mehrfachnennungen übereinander hängen, offene und nicht clusterbare Punkte seitlich hängen. Gegebenenfalls ergänzen.
Fotodokumentation des Ergebnisses. Die Themenfindung erleichtert die Abgrenzung von Modellen. Hierarchieköpfe sollen leicht mit der Themenstellung assoziierbar sein. Neben hierarchischen Beziehungen sollte Assoziationen gleicher Raum gewidmet werden. Die Verfeinerung sollte zunächst hierarchisch erfolgen.

Anleitung

  1. Wichtige Themenbereiche (Hierarchiekopfe) festlegen 
  2. Themenbereiche weiter untergliedern 
  3. Themenbereiche miteinander vernetzen
  4. Wissenslandkarte optimieren

Wer ist beteiligt:

Um eine Wissenslandkarte erstellen zu können, gilt es, sich zuallererst mit den Zielen zur Erstellung einer Wissenslandkarte auseinanderzusetzen. Darüber hinaus sollten sich ein Wissensmanager oder eine Wissensmangerin mit dem Bestandteil einer Wissenslandkarte vertraut machen. Wissenslandkarten können von einer Einzelperson oder als Prozess zur Generierung von gemeinsamem Erfahrungswissen auch von einer Gruppe erstellt werden. Bei der Erstellung in der Gruppe empfiehlt sich auch ein Moderator/in zur Koordination des Gruppenprozesses. 

Einsatzmöglichkeiten

  • Dokumentenmanagement
  • Thematische Ablage von Dokumenten anhand einer vorgegebenen Struktur
  • Zuordnung von Dokumenten zu Beziehungswissen
  • thematische Suche von Dokumenten
  • sicheres Finden von Dokumenten auch ohne Wissen eines Stichworts
  • Verteilung von Dokumenten nach Kriterien eines Berechtigungskonzepts
  • Innovationsmanagement
  • Navigationshilfe zu einer thematisch geordneten Erfassung von Schadensfallen, Kundenbeschwerden
  • Navigationshilfe zu einer thematisch geordneten Erfassung von Verbesserungsvorschlägen
  • Möglichkeit zur Visualisierung von Beziehungen zwischen Problemen und Innovationspotenzialen anstelle von verteilten Kommentaren
  • Möglichkeit zur Einrichtung von Diskussionsforen, Wiki-Plattformen, zu Beziehungswissen (zusätzlich zu Punktwissen)
  • Möglichkeit zur Organisation der Wissensflüsse in mehreren Dimensionen (nicht nur top-down und bottom-up, sondern auch zwischen Abteilungen, Standorten, Prozessen, Kunden etc.)
  • Möglichkeit zur Visualisierung von Berechtigungs- und Nutzungskonzepten in abstrakter Form, z.B. als Rollenkonzept (im Kontrast zu einem konkreten, personenbezogenen Konzept)
  • Möglichkeit zur Sicherstellung geregelter Informationsprozesse („Hol- und Bringschuld“) anhand definierter Rollenbeziehungen (im Kontrast zu konkreten Personen- oder Abteilungsbeziehungen)
  • Möglichkeit zur Schaffung eines themenbasierten Zugangs zu verteilten Datenbanken (als Hilfestellung zur Überwindung von Hemmschwellen beim Zugang zu einer abteilungsfremden Datenbank)
  • Möglichkeit zur Verbesserung der Qualität von Suchprozessen bei Suchmaschinen (z.B. durch Bereitstellung inhaltlicher Beziehungen zwischen Stichwörtern). Human Ressource Management
  • Möglichkeit, ein Aufgabenprofil im Kontext der gesamten Organisation sichtbar und damit besser verständlich zu machen (anstelle einer rein lokalen Aufgabenbeschreibung)
  • Möglichkeit, anhand der Arbeit an einer Wissenslandkarte vernetztes organisationales Denken zu fordern (zusätzlich zum lokalen Denken), Möglichkeit, Kompetenzen von Mitarbeitern, Abteilungen, Projektgruppen geordnet zu erfassen und darzustellen (zusätzlich zum dokumentierten Ausbildungsprofil von Mitarbeitern)
  • Möglichkeit, Kompetenzen mit Prozessen, Anlagen, Organisationseinheiten, Projekten in Beziehung zu setzen
  • Möglichkeit, im Zusammenhang mit Innovationsprozessen, wie z.B. Produktinnovation, Prozessinnovation den zukünftigen Bedarf an Kompetenzen einzuschätzen
  • Möglichkeit, kompetente Ansprechpartner anzuzeigen, anstelle von Anfragen in verschiedenen Teilen der Organisation
  • Möglichkeit, kompetente Personen für bestimmte Aufgaben, Projekte etc. zu finden (Zur Verminderung der Wahrscheinlichkeit von Fehlbesetzungen) Qualitätsmanagement
  • Möglichkeit, durch das vernetzte Arbeiten an einer organisationalen Wissenslandkarte eine Standardisierung bei der Wissensstruktur, bei den Beziehungen zwischen Wissenselementen und bei den Benennungen von Wissenselementen herzustellen (in Ergänzung zur Arbeit an lokalen Wissensbestanden, Datenbanken)
  •  Möglichkeit, durch das kollektive Arbeiten an einer organisationalen Wissenslandkarte das persönliche Wissen, insbesondere das Erfahrungswissen, für die Organisation zu sichern und zuganglich zu machen (in Ergänzung zur individuellen Arbeit an der Wissensentwicklung)
  • Möglichkeit, durch methodische und technische Vorgaben unstrukturiertes Vorwissen auf eine höhere Qualitätsstufe zu heben (im Gegensatz zu ungeordnetem Inventarwissen
  • Möglichkeit, durch Nachverfolgung von Prozessen der Wissensentwicklung und der Wissensnutzung und der daraus resultierenden Produkte eine aussagekräftige Wissensbilanz zu erstellen (im Gegensatz zu einer reinen indikatorbasierten Wissensbilanz)

Autor/in: Bernhard Strobl, MAWM17

 Weiterführende Literatur, Links

Anmerkungen:
Die Methodenbeschreibungen werden unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY) veröffentlicht.


Post Author: Bernhard Strobl

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